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Amtsgericht Gummersbach Urteil12.04.2013

Erteilung eines Hausverbots gegenüber dem Briefträger grundsätzlich unzulässigOhne schutzwürdiges Interesse kein Recht zum Hausverbot

Ein Grund­s­tücks­ei­gentümer kann grundsätzlich dem Briefträger kein Hausverbot erteilen. Insofern muss ein schutzwürdiges Interesse am Hausverbot bestehen. Dies geht aus einer Entscheidung des Amtsgerichts Gummersbach hervor.

In dem zugrunde liegenden Fall sprach ein Grundstückseigentümer gegenüber dem Briefträger ein Hausverbot aus. Da dieser das Verbot jedoch nicht beachtete und weiter Post zustellte, forderte der Grund­s­tücks­ei­gentümer das Postunternehmen auf eine strafbewehrte Unter­las­sungs­er­klärung abzugeben. Dieses weigerte sich jedoch, woraufhin der Eigentümer Klage auf Unterlassung erhob. Er meinte, dass die Postzustellung trotz Hausverbots sein Eigentumsrecht verletze.

Anspruch auf Unterlassung bestand nicht

Das Amtsgericht Gummersbach entschied gegen den Grund­s­tücks­ei­gentümer. Denn diesem habe kein Anspruch auf Unterlassung der Briefzustellung gemäß § 1004 BGB zugestanden. Zwar könne das Betreten des Grundstücks trotz erteilten Hausverbots eine Eigen­tums­be­ein­träch­tigung darstellen. Die Erteilung des Verbots sei aber unzulässig gewesen.

Unzulässigkeit wegen fehlendem schutzwürdigen Interesses

Die Ausübung eines Rechts könne unzulässig sein, so das Amtsgericht weiter, wenn der Berechtigte kein schutzwürdiges Interesse verfolge oder überwiegende Belange der Gegenseite entgegenstehen. Eine Unzulässigkeit sei zum Beispiel anzunehmen, wenn der Berechtigte kein sachliches und dauerndes Eigeninteresse verfolge, sondern die Rechtsausübung nur dazu diene, einen rechtsfremden oder unlauteren Zweck zu erreichen. Dies sei hier der Fall gewesen.

Keine Darlegung eines schutzwürdigen Interesses

Der Grund­s­tücks­ei­gentümer habe nach Auffassung des Amtsgerichts nicht darlegen können, dass die Nichtzustellung der Post ein schutzwürdiges Interesse darstelle. Daher sei nicht ersichtlich gewesen, dass die Briefzustellung das Eigentum beeinträchtigt habe. Dass der Eigentümer unter Umständen keine unangenehme Post erhalten wolle, verdiene keinen gerichtlichen Schutz.

Schutzwürdige Belange des Postun­ter­nehmens waren zu berücksichtigen

Aus Sicht des Gerichts hätten dem schutzwürdigen Interesse des Eigentümers ohnehin überwiegende schutzwürdige Belange des Postun­ter­nehmens gegenüber gestanden. Denn das Postunternehmen sei angesichts der erteilten Lizenz und den Vorschriften des Postgesetzes verpflichtet gewesen, die Post auszuteilen.

Quelle: Amtsgericht Gummersbach, ra-online (vt/rb)

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